Wie ich die Wolle unserer Schafe verarbeite und welche Gerätschaften ich dabei nutze.
Wolle – vom Schaf zum Produkt
Scheren
Die Schafe müssen trocken sein. Nasse Schafe kann man nicht scheren.

Beim Scheren ist von Vorteil, den Arbeitsplatz sauber zu halten und gleich wirklich schmutzige und verfilzte Wolle auszusortieren. Kletten, Kotstücke, Nackenwolle der Frühlingsschur mit viel Heu haben in der Wolle zum Verarbeiten nichts verloren.

Die kurzen Stücke müssen später wieder aussortiert werden. Am besten wird das frisch geschorene Vlies gleich kurz ausgeschüttelt und dann sauber in Papiersäcke verpackt. Am besten auch gleich Datum und Notizen zur Wolle dazuschreiben. Schafrasse, evtl Ohrmarkennummer, Farbe, besonderes zur Wollqualität, wenn es schöne Locken sind, Erstschur, angefilzt etc.
Sortieren
Am besten, man nimmt sich die Portion Wolle vor, die man als nächstes waschen möchte. Auf einem Gitter wird die Wolle nochmals aufgeschüttelt, grobe Verschmutzung, übersehene Kletten und ähnliches nimmt man wieder raus.
Pflanzenmaterial geht bei der Wäsche nicht raus. Grobe Halme entfernen, aber nicht „den Doktor“ machen. Ist zuviel Grünzeug drin, grob aussortieren.
Waschen
Das Wollfett Lanolin schmilzt bei 60°C. Von Vorteil also, wenn das Waschwasser heisser ist.
Wichtig: Wolle filzt, wenn man sie reibt, und bei Temperaturschocks. Es gibt Wolle, die sehr schnell Filzt, und Wolle, die wenig filzt.
Mein Ablauf:
- Wolle Portionenweise in Wäschebeutel geben
- In heisses Wasser mit Handy Abwaschmittel legen. (Es gibt auch spezielles Scouring Mittel zu kaufen)
- Am besten in ein zweites Becken mit gleich heissem Wasser und je nach Verschmutzung nochmal mit Spülmittel geben.
- Normalerweise ist bei mir die Wolle mit einem Mal mit Spülmittel und zwei Mal ohne Spülmittel sauber genug
- Ein Schuss Essig ins Wasser tut der Wolle gut.
- Danach muss die Wolle abgetropft oder geschleudert werden.
Trocknen
Am besten wird sie nach dem Schleudern nochmal auf dem Gitter aufgeschüttelt, dass sie nicht als Klumpen trocknet. Schütteln ist besser als zupfen.
Danach kann sie luftig getrocknet werden. Auf Gittern, Rosten, Leintüchern etc
Lagern
Die gewaschene und vollständig getrocknete Wolle wird für längere Lagerung am besten in Luftdichten Fässern gelagter.
Rohwolle ist bei Motten beliebter, als gewaschene. Am besten die beiden Posten räumlich getrennt lagern.
Färben
Gefärbt werden können sowohl gewaschene Wollflocken als auch fertig gesponnene Garne.

Gefärbt werden kann im Kessel, oder bei kleinen Mengen in der Mikrowelle.
Entweder macht man eine Färbeflotte, in die die Fasern getaucht werden, oder man gibt die Faser zuerst ins Wasser und gibt die Farbe danach dazu. So können in einem Kessel gleichzeitig mit verschiedenen Farben gefärbt werden. Das gibt teils interessante Effekte.
Man kann auch eine Strange Wolle nass machen, mit Farbe gemustert einpinseln, in Frischhaltefolie einschlagen und in der Mikrowelle färben.
Kardierte Vliese filzen beim färben, das ist nicht empfehlenswert. Aber die gefärbte Wolle kann gut danach gemischt werden, zum beispiel beim kardieren.
Am einfachsten ist Färben mit Säurefarben.
Man kann auch mit Pflanzenfarben färben, dazu muss die Wolle vorgängig gebeizt werden. (Meist mit Alaun)
Für kleine Wollmengen kann man auch Solarfärbungen machen. Dazu wird die gebeizte Wolle mit Naturfarbstoffen in der Sonne mehrere Woche in Einmachgläsern stehen gelassen.
Aufbereiten / Kämmen, Kardieren
Vor dem Kardieren ist es empfehlenswert, die Wolle wieder über das Gitter gehen zu lassen. Alles was rausfällt, ist schon weg.
Es ist gut, die Wolle beim Einlegen noch etwas zu zupfen. Auch dabei fällt wieder viel heraus. Man muss nicht den Doktor machen, für etwas kardiert man ja.
Je nachdem was man mit der Wolle vor hat, reicht ein Durchgang. Zum Beispiel, wenn die Wolle nur zum Mischen in einem Weiteren durchgang vorbereitet wird. Wenn man ein besonders schönes Vlies machen möchte, das danach direkt verarbeitet wird, oder Fasern gut mischen möchte, ist es besser in mehreren Durchgängen zu kardieren.
Die Kardiermaschine ist die gängigste Kleinmaschine um die Fasern zu ordnen und weiter verarbeitbar zu machen.
Das Kardierte Vlies kann zum Spinnen oder filzen verwendet werden.
Man kann Wolle aber auch kämmen.
Man kann Wolle in kleinen Mengen auch von Hand kardieren. Die Handkarden sind bei mir auch beim Filzen direkt dabei, weil ich oft mit Wolle aus dem Vorrat arbeite, die schon wieder etwas angefilzt ist. Oder weil ich kleine Mengen farblich mischen möchte.
Weitere Verarbeitung
Nun kann die Wolle gefilzt, oder gesponnen werden.






Probleme bei der Wollverarbeitung..
Motten
Motten mögen Wolle, die nach Körper riecht, am liebsten. Und sie mögen auch warme, dunkle, ruhige Ecken. Rohwolle, Wolle mit Handschweiss vom Stricken. Aber das ist keine Garantie, dass gewaschene Wollflocken oder gewaschenes Strickgarn in Ruhe gelassen wird.
- Gewaschene, trockene Wolle Luftdicht verpacken.
- Rohwolle und gewaschene Wolle getrennt lagern.
- Regelmässig den Bestand sichten – evtl Fallen aufstellen um zu sehen, wenn Motten fliegen.
- Viel Lavendel und ähnliches um die Wolle herum haben, schadet sicher nicht.
Mögliche Massnahmen: - Befallene Wolle separieren
- Hitze
- Waschen
- Kälte
- Insektizid
- Neem-öl
- Nützlinge
Staub bei der Verarbeitung
Vor allem das Kardieren macht viel Staub. Für mich habe ich das Problem gelöst, indem ich draussen arbeite. Ich möchte den Staub nicht überall haben…
Verstopfte Abläufe wegen Fasern im Abwasser
Wollfasern im Ablauf sind ziemlich mühsam. Aber eigentlich leicht zu vermeiden, indem man konsequent Wäschenetze verwendet Wenn es passiert ist: herausfriemeln mit einem zu einem Haken gebogenen Draht, oder chemisch auflösen…
Gesundheit – Sehnenscheiden, Tennisarm
Arbeit mit Wolle ist Handarbeit. Viel Zupfen, viel Wiederholung in den Bewegungen, das ist eine grosse Belastung für die Handgelenke und kann zu Entzündungen der Sehnenscheiden führen.
Vorbeugen ist besser, als heilen! Es ist beim Handarbeiten sehr wichtig Achtsam zu bleiben.
- Auf eine gute Handhaltung achten – Das Handgelenk nicht „abknicken“
- Grosse Bewegungen machen
- Pausen machen und dehnen
- Bei Ermüdungserscheinungen sofort Pause machen oder aufhören
Übungen, auch Hilfreich bei Rebschnitt und ähnlichem: - Mit dem Daumen der gegenüberliegenden Hand die Sehnen von Handgelenk bis Ellenbogen langsam ausstreichen
- Hände mit gestreckten Fingern wie zum Gebet auf Brusthöhe direkt vor dem Körber falten. Mit Anspannung am Körper heruntergehen, bis in den Muskeln deutlich ein Dehngefühl ist. Halten, lockern. Eine ähnliche Übung kann man machen, indem man die Hände vor dem Körper zusammenlegt, mit gegen vorne zeigenden Fingern, und dann unter Anspannung zum Bauch ziehen, bis es ein Dehngefühl gibt.
Zuviel Wolle
Dafür habe ich leider noch keine funktionierende Methode gefunden. Die Wolle wird immer mehr, und ich komme nicht hinterher mit verarbeiten…
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